Es ist schon irgendwo verwunderlich, daß ein junger Mensch einfach sein Leben wegschmeißt, ohne jemals was von der Welt gesehen zu haben. Eben habe ich mir ein paar Berichte des Amokläufers in Emstetten angesehen auf ARD online angsehen. Nun, da wieder einmal die Debatte aufkam: "Computerspiele sind böse und machen aus unseren Jugendlichen Killer", da sowohl dieser als auch der Amokläufer von Erfurt das gleiche Spiel spielten, habe ich mir den Bericht etwas genauer gelesen.
Es erscheint so, als wolle man ein Gesetz einführen, die diese Spiele verbieten. Allerdings halte ich das für wenig sinnvoll. Da ein Trauma-Psychologe interviewed wurde, habe ich mir das Video dazu ebenfalls angesehen. Herr Lüdke machte dabei folgende Aussagen: Solche Taten resultieren von einer starken Persönlichkeitstörung, bei denen sich die Betreffenden nicht akzeptiert und geliebt fühlen. Ursache dafür sind gestörte Beziehungen innerhalb der Familie, im Freundes- und Bekanntenkreis.
Man stelle sich einfach mal vor, das das eigene Kind so einen Schwachsinn macht. Pubertät ist keine leichte Zeit, sowohl für Eltern als auch für die erwachsenwerdenden Kinder. Und wie oft kommt es schon vor, dass man den Nachwuchs so gar nicht versteht aus der Sicht der Eltern? Rückblickend gesehen, glaube ich nicht, dass meine Eltern dabei ein leichtes hatten. Aus meiner etwas verblassten Erinnerung kann ich sagen, dass ich mich nicht unbedingt verstanden haben. In vielen Dingen hatten meine Eltern (leider) Recht, und mit zunehmendem Alter und kleinlauter Stimme naja, kann man das so schon langsam zugeben. Zugegeben, sicherlich nicht unbedingt mit 17 oder 18.
Nun, wenn einen die Eltern nicht verstehen, dann sucht der Mensch sich halt Freunde. Ein altes Sprichwort besagt ja schon, "Seine Familie kann man sich nicht aussuchen, seine Freunde schon". Wie ich so lese, war der Amokläufer nicht sonderlich beliebt in der Schule. Dieses Phänomen wiederholt sich in jeder Schulklasse: es gibt dort immer entweder einen oder mehrere Außenseiter. Ich denke daran hat sich in den letzten Jahrzehnten wenig geändert. Nun, neben den Schulaufgaben bleibt dann doch noch eine Menge Zeit um sich mit anderen Dingen zu beschäftigen. Und ich denke, da kommt vielleicht das Computerspiel ein wenig mehr zum Gewicht aber doch anders als das in den Medien gerade verbreitet wird.
Angenommen jemand ist nicht sonderlich beliebt in der Schule, hat seine Aufgaben gemacht und dann noch Zeit übrig. Einfach nur zu Hause rumsitzen war früher vermutlich etwas langweiliger als heute. Entweder hat man dann noch mehr gelesen/gelernt, und wurde dann zusätzlich noch der Streber der Klasse. Oder man hatte halt irgendwelche anderen Hobbies, wie zum Beispiel das Sammeln von Briefmarken, Fossilien oder Gesteinen. Wer dies dann auch mit einer Portion Hingabe machte, traf sich auf irgendwelchen kleineren Märkten, Tagungen, da man dort erstens Gleichgesinnte traf und sich mit denen Austauschen konnte und zweitens noch mehr Informationen erhalten konnte, an die man sonst nicht so leicht rangekommen wäre. Selbst wenn das Hobbie eine Art Flucht war, tauschte man sich doch noch gelegentlich mit Gleichgesinnten aus über Sprache in der realen Welt aus.
Wenn nun das Computerspiel für Flucht aus der Langenweile ausgesucht wird, da man halt sonst nichts zu tun hat, dann gibt es eventutell einen neuen Faktor. Man kann sehr viele Stunden am Computer verbringen, in der dort angebotenen virtuelle Welt eintauchen, ohne dass man Kontakt zu realen Menschen hat. Und jeder der schon mal ein Spiel gemocht hat, kann bestätigen, dass diese wirkliche Zeitkiller sind. Man macht mal kurz Pause und wundert sich, wohin die letzen Stunden verschwunden sind (denn eigentlich wollte man nur mal kurz 10 Minuten spielen).
Um nocheinmal auf die Flucht aus dem Alltag zurück zu kommen: Ist so ein Computerspiel nun der einzige Füller der Freizeit über eine langen Zeitraum hinweg, dann könnte man das fast gleichsetzen, als würde man irgendwo sitzen, und auf irgendwelche Impulse ein andauerndes Gedankenkonstrukt weiterpflegen. Dabei findet die meiste Aktion im Kopf durch Denken und in den Händen über Tasten und Joystickreaktionen statt. Wer schon mal zu lange gespielt hat, kennt sicherlich das Gespiel, dass man immer noch weiterspielt und überlegt, wie man die Aufgabe bewältigen kann, obwohl man nicht mehr wirklich vor dem Bildschirm sitzt.
Nun glaube ich, dass Computerspiele an sich nicht die Wurzel allen übels sind. Das Spielen an sich ist tief im menschlichen Dasein verankert, hat man doch uralte Spielrelikte in Fundstätten von vergangenen Kulturen gefunden. Ob nun Gewaltverherrlichende Spiele einen wirklichen Einfluss haben, ist nicht wirklich geklärt; es gibt ja auch Theorien, die besagen, dass gerade solche Spiele und Filme einen eintgegengesetzten Wirkung hätten. Ich glaube, der Faktor der eine gößere Rolle spielt, ist die Vereinsamung vor dem Bildschirm.
Wer sich freiwillig total von seiner Umwelt abschottet macht im Prinzip nichts anderes als sich selbst in eine einzelhaft-ähnlichen Umstand zu versetzen. An dieser Stelle fällt mir das Buch "Schach" von Stefan Zweig ein, das meine Grundaussage besser illustriert. Der Protagonist des Buches verbrachte einen lange Zeit in Einzelhaft ohne zu wissen warum. An einer Stelle gelingt es ihm, ein Buch zu ergattern das ihn über diese ellenlange Zeit des Nichts tun bringen sollte. Es war ein Buch, in dem die Spielezüge von bekannten Schachmeistern beschrieben war. Da er eh nichts zu tun hatte, sparte er Brot, machte daraus Figuren, und spielte die Partien nach. Nach einer gewissen Zeit benötigte er diese gar nicht mehr, da er die Spiele perfekt in seinem Gehirn simulieren konnte.
Jedenfalls, irgendwann kommt er frei, und reist auf einem Schiff. Dort spielt er eine Partie mit einem anderen Menschen und um es kurz zu machen, dreht dort völlig ohne Grund durch, ergreift die Flucht, obwohl eigentlich nichts vorgefallen ist. Der Auslöser war der zweite Zug, des Gegners oder so.
Der Mensch ist nun mal ein Herdentier, und zu viel Alleinsein und Abschotten tut ihm nicht gut. Ich meine mich erinnern zu können, dass das sogar von Aristoteles stammte. Jedenfalls, glaube ich das weder Fernsehen noch Computerspiele an sich die Wurzel allen übels sind, sondern viel mehr eine Art Vereinsamung die heute leicher mal so "passieren" kann als es früher der Fall war. Vielleicht liege ich auch falsch, aber es wäre sicherlich interessant mal zu prüfen, ob dies auch bei anderen Amokläufern zutrifft.