Nun, wie erwähnt, lasse ich nichts unversucht, um die Briten da oben etwas zu verstehen. Oder wenigstens nicht dauernd in ein Fettnäpfchen zu treten.
Dabei ist mir auf Umwegen ein Buch in meine Hände gefallen, von dem ich einige Anregungen/Einsicihten habe, die ich nun gnadenlos durchtesten werde, und die Evaluation dieses Buches hier miteingliedern werde. "Watching the English" von Kate Fox. Klasse Buch, soweit ich bis jetzt gekommen bin.
Gelernt habe ich, dass Britisch der politisch korrekte Ausdruck ist, ich aber eigentlich versuche, den Engländer zu verstehen. DENN, die Schotten, Waliser und andere vergessene Stämme dieser Insel koennen sich unter umständen grob unterscheiden (nach dem Motto "ich bin ganz anders als mein Nachbar, und hasse das, was der andere gut findet).
Nun, ich weiss nicht, was andere so in Deutschland im Büro, bei der Kaffemaschine oder beim Kopierer (wenn man sich dort zufällig trifft), so sagt. Man lächelnt einenader zu (je nach dem wie sehr man die Person mag). Und grüßt sich. gefolgt von kleinem Minismall Talk. wenn man gar nichts weiss, manchmal das Wetter.
Nun, das mit dem Begrüßen ist dort so eine Sache. Laut diesem Buch (und gehörten Aussagen) ist den Engländern alles peinlich. Und sozial "angebracht" englisch ist es eher etwas beklemmt und sozial unbeholven rüber zu kommen.
Nun, was mir so aufgefallen ist: Egal zu welcher Zeit man sich einen Kaffe holt: Man spricht über das Wetter. Ich gestehe ein, dass das ein guter Füller ist, aber es hat mich einfach so ein bisserl genervt (z.B. nach dem vierten Kaffe/Tee in der Küche, plus Mittagessen, getroffen 6 Leute, hast du dann sechs verschiedenen Gespräche gehabt die in etwa so ablaufen:
Heute ist es aber ein wenig wolkig und frisch, findest du nicht auch (-> isn' it).
Nun gut: ich gebe zu, die drei mal am Tag macht mir das nichts aus. Denn 1) wechselt das Wetter zum Glück doch innerhalb eines Tages sehr oft (oder mir fällt das durch das dauerende Wettergesräch einach mehr auf). und 2) meinetwegen, besser als Anschweigen. Aber, die tun dann immer so überrascht, erfreut, enthusiastisch antworten, das ich schon etwas gekünstelt/komisch/lächerllich finde. (das sechste Mal in UK überrascht zu sein, dass es (immer) noch regnet, erscheint mir einfach als eine zu offensichtliche Lüge.
Nun weiss ich, warum man das so macht; Ein anlächeln, hallo, Schulterklopfen ist in aufsteigender Reihenfolge zu informel (speziel im Büro), und nur weil man sich mit dem Vornamen anspricht, ist man nicht gleich informeller zueinander. Hand schütteln, macht man nur das erste Mal, sprich, wenn man vorgestellt wird. Was aber macht man in England. Niemand weiss es, also spricht man über das Wetter.
In diesem Buch, wurde dann Bezug auf jene Begrüssungsformel genommen, über die ich mir schon damals gedacht, habe, was ist das fürn Unfug
How do you do? (sagt A)
How do you do? (antwortet B).
Wie kann man auf eine Frage, mit der gleichen Frage antworten? Laut Buch ist es keine Frage, sondern eine Floskel, die man als Begrüssung austauschen kann. Leider, benutzt man heute nicht mehr, ist quasi das, was man zu Omas Zeiten mal verwendet hat. Sprich, man erscheint altmodisch.
Nun, angefangen, dass das Lächeln plus Hallo schon zu informell (nahe) ist, fragt man sich, wie man ein nettes Hallo (das man ja eigentlich sagen will) in irgendeiner Etikette ausdrückt. Und das ist dann über das Wetter. Sprich, wenn der einen was über s Wetter sagt, dann antwortet man in einer Zustimmenden Haltung. Damit haben folgnede Sätze in einer Büroküche folgende Bedeutung:
It is nice today, isn' it?
Yes, indeed, it is?
Heisst dann sowas hinter der Etikette: Hey,nett dich hier zu sehen. Und druch die Zustimmende Antwort drückt man aus: Freu mich auch, ein paar Worte mit dir gerade auszutauschen.
Selbiges funktionert auch über leichtes jammern bei Regen, Schnee oder anderem. Die Regel, falls man jemanden sympatisch findet, ist dass man in Zustimmender Haltung antwortet. Weil das Wetter ja nur ein Füller für fehelende angebrachte Grussformel sind, die weder zu formel, noch informell sind (nimmt man die deutschen Suatze und uebersetzt, dann ist das VIEL zu informel). Sagt man so was vor sich hin, ist man nicht auf eine Nicht-Zustimmung eingestellt und verwirrt Gesprächspartner.
Was man nicht machen sollte:
Die Leute fragen, ob sie denn nichts anderes zu reden haben, als den ganzen Tag nur über das Wetter. Alles andere (ausser vielleicht die Koenigsfamilie) teilt man nur in einem engeren Kreis. Der Engländer schützt seine Privatsspaere auf der einen Seite, in dem er niemanden zu nahe tritt, hatt aber aus "Sicherheitsgründen" überall Kameras installiert.
Das Wetter vergleichen: Sprich, als die da oben Schnee hatten, zu sagen: Ihr habt ja keine Ahnung, so jammern über ein bisschen Schnee. -- Leichte kleine Stille, jemand leitet das Gespräch etwas beklommen weiter genau, und selbst kommt das Gefühl eines "ups' hoch.
Was laut dem Buch passierte: man hat sozusagen, ein Mitglied der Familie beleidigt. Etwas klarer: Das Wetter da oben ist fast schon als Familienmitglied gesehen. Nun, selbst darf man über die eigenen Famlie herziehen, aber echte Kritik von aussen, (genau) das macht man nicht.
Gleiche Regel gilt für das Wetter, was bei längerem Nachdenken auch nicht verwudnerlich ist, schliesslich ist es ja in dauernd in der britischen Psyche.
Sprich, in ein paar Jahren werde ich dann im Buero alle Nuancen von wolkig heiter mild und sonsitgem Regenvocabular können.
Gut, ich gestehe ein, dass sehr viele Gedanken hier aus dem Buch "Watching the English" stammen. Allerdings, die Fehltritte, Eindrücke und Erfahrungen stammen aus meiner Department Umgebung. Auch andere Menschen fragen sich, warum die Engländer dauernd über das Wetter reden. Denn, versteht man nicht die "implizit" darunterliegende Bedeutung, ist es einfach nur langweilig.
Und, wenn man nichts mehr zu sagen hat, dann kommt ein "anyway", schaut aus dem Wetter und stellt erstaunt eine neue Nuance über das Wetter fest. Alle sind dankbar, dass jemand die peinliche Stille überbrückt hat, und man stürzt sich enthusiastisch auf das Wettergespräch.
Oh, schau mal raus, es ist eine neue Wolke aufgezogen, nicht wahr?
Ja in der Tat, die ist wirklich sehr speziell.
Andere Kapitel folgen in Kürze... einiges muss noch im Feldtest ausprobiet werden; aber allein das Lesen macht Spass und es gibt so "aha"-Effekte.